Sherlock
The Six Thatchers (S4E1) Review

Sherlock Review

Seit dem äußerst spannenden Cliffhanger am Ende von Staffel 3, die vor zwei Jahren ausgestrahlt wurde, konnten die meisten Sherlock-Fans die neue Staffel kaum erwarten. Am 1. Januar 2017 wurde die erste Episode von Staffel 4 dann endlich auf BBC One ausgestrahlt. Allerdings konnte sie nicht mit dem am Ende von Staffel 3 kreiierten Hype mithalten.

[Diese Review enthält Spoiler…]

Ein kurzer Rückblick auf Staffel 3

Nachdem er seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte, um seine Freunde vor deren Tod zu bewahren, taucht Sherlock in Episode 1 wieder aus dem Untergrund auf. Er und John Watson sind nach einem kurzen Streit wieder vereint und wir lernen Johns Verlobte, Mary Morstan, kennen. Bei dem Fall dieser Folge geht es um eine terroristische Bedrohung im Londoner U-bahnsystem, die Sherlock und John erfolgreich neutralisieren. Am Ende der Episode können wir einen kurzen Blick auf den neuen Schurken dieser Staffel, Charles Augustus Magnussen, erhaschen.

In der zweiten Folge heiraten John und Mary. Die Episode spielt hauptsächlich auf der Hochzeitsfeier, wobei gewisse Teile des Plots durch Rückblenden erzählt werden. Darunter ist auch ein alter Fall, den Sherlock erst auf der Hochzeit löst, als er bemerkt, dass sich der Täter unter den Hochzeitsgästen befindet und dieser einen weiteren Mord plant. Außerdem lernen wir Sherlocks Mind Palace kennen; ein Gedächtniskonstrukt, welches er benutzt, um seine Erinnerungen dort abzulegen.

Die dritte Episode gibt dem Bösewicht Magnussen endlich mehr Sendezeit. Der Medienmogul sammelt die Geheimnisse jeder einflussreichen Person in der westlichen Welt und nutzt dieses Wissen, um sie zu erpressen. Er droht auch Marys geheime Vergangenheit als Auftragskillerin/Spionin zu enthüllen. Nachdem John und Sherlock von Marys Geheimnis erfahren, wollen sie Mycrofts Laptop (ohne dessen Wissen), der alle möglichen streng geheimen Regierungsdaten enthält, für die Vernichtung aller Informationen, die Magnussen über Mary hat, eintauschen. Allerdings sind die Informationen nicht in Papier- oder digitaler Form, sondern nur in Magnussens Mind Palace gespeichert, sodass der Handel nutzlos wird. Als Magnussen seine Macht gegenüber John demonstriert, nimmt Sherlock dessen Pistole und erschießt Magnussen unter Beobachtung mehrerer Augenzeugen, einschließlich seines Bruders Mycroft.

Die Staffel endet mit einem Video, das überall in London übertragen wird, und Moriartys Gesicht zeigt, welches wiederholt fragt: „Did you miss me?“ Nachdem Sherlock für circa 5 Minuten ins Exil geschickt wurde als Resultat des Mordes an Magnussen, wird er von seinem Bruder Mycroft schon wieder zurückgeholt, um herauszufinden, wer für das Video verantwortlich ist.

Worum es in dieser Folge geht

Die erste Hälfte der Episode ist deutlich überzeugender als die zweite Hälfte, wenn man von dem schrecklichen Zinger („weil ich das Spiel liebe“) absieht, den Sherlock am Ende des Cold Open (Industrie-Slang für die Pre-Opening-Credits-Szene) abliefert. Sein erster Fall ist schnell gelöst, führt ihn aber zu einem viel größeren Rätsel, welches sechs Steinbüsten der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher involviert. Sein erster Verdacht ist eins von Moriartys Games, was angesichts seiner dramatischen Videobotschaft am Ende der 3. Staffel Sinn ergeben würde. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Person aus Marys Vergangenheit als Auftragskillerin/Spionin. Ein USB-Stick mit der Aufschrift „A.G.R.A“, der jenem ähnelt, den Mary in der letzten Staffel in den Kamin warf und Informationen über ihre Vergangenheit enthielt, ist in einer der Büsten versteckt. Und er gehört zu einem ihrer ehemaligen Spionagekollegen, die jetzt auf der Suche nach ihm ist.

Wir bekommen einen Einblick in eine schiefgelaufene Mission von Mary und deren Kollegen. Sie wusste nie, was genau passiert war, bis sie am Ende dieser Episode gemeinsam mit uns erfährt, dass die Sekretärin verantwortlich war! Denkt immer daran, es ist immer die Haushälterin oder die Gärtnerin … oder die Sekretärin; dieselbe Sekretärin, die auch Teil des Meetings war, in dem Mycroft Sherlocks Mord an Magnussen wegerklärte.

Der größte Schock kommt am Ende der Folge, als die Sekretärin auf Sherlock schießt, Mary sich vor ihn wirft, die Kugel abfängt und schließlich ein paar Minuten später in Johns Armen stirbt.

Die Problematik der Folge

Die Episode scheint, als ob Steven Moffat und Mark Gattis einen Spionagethriller anstrebten, aber das nicht ganz umsetzen konnten. Die Handlungsstränge sind vereinzelt sehr weit hergeholt, so dass der Eindruck entsteht, dass ihnen die Ideen für für die Episoden vor dem (wahrscheinlich) großen Finale in Episode 3 ausgingen.

Im Laufe der Episode durchläuft Sherlock eine unglaubwürdige Charakterentwicklung. Er beginnt als das egoistische Genie, doch wird plötzlich zu einem einfühlsamen Freund für Mary und verspricht dieser, sie für immer zu schützen. Das passiert unmittelbar nachdem er von ihrem Spionagekollegen verprügelt wird und weitere Details über ihre Badass Attentäter-Vergangenheit erfährt. Und direkt bevor Mary ihn mit Chloroform betäubt. Also ja, das beschützen hat nicht so ganz funktioniert.

Darüber hinaus sind die Handlungsstränge und Visualisierungen von und mit Mary, die von einem Land ins andere flieht, und dem Duell zwischen ihr und ihrem alten Attentäter-Freund eher enttäuschend. Marys Flucht passt nicht zu ihrem Charakter. Man hätte eher von ihr erwartet, sich direkt ihren Problemen zustellen, ähnlich wie in Staffel 3 als Magnussen sie erpresste. Vor allem jetzt, da sie John und ihr kleines Baby hat, erscheint eine Flucht ohne die beiden sehr weit hergeholt. Und das Ergebnis dieser 5-minütigen Flucht ist auch eher gering. Die Informationen, die wir dadurch bekommen, hätten auch mit ihrem Aufenthalt in London glaubwürdig vermittelt werden können.

Am Ende der Episode stirbt der Charakter Mary. Sie war die einzige Person, die Sherlocks Beleidigungen und Fehlverhalten effektiv und unterhaltsam Kontra geben konnte. Sie war auch die einzige weibliche Figur mit einer bedeutenden Rolle in der Show. Ihre Spionage-Vergangenheit sorgte in Staffel 3 für großartige Handlungen und machte sie zu einem größeren Badass als John und Sherlock zusammen. Aufgrund Johns unmittelbarer Abneigung gegenüber Sherlock, nur wenige Sekunden nach Marys Tod, scheint es, als ob dies der einzige Zweck ihres Ausscheidens war: Spannung zwischen den zwei Hauptcharakteren schaffen und uns in der nächsten Folge eine interessantere Geschichte liefern. Außerdem wollten Moffat und Gattis vermutlich zurück zur alten Dynamik zwischen John und Sherlock und hatten keine weiteren Ideen für ein Fortbestehen des Charakters Mary (sobald wir uns die zweite Episode anschauen, wird deutlich, dass sie mit Mary nicht funktioniert hätte.)

Marys Tod trägt nun zu der riesigen Frage bei, wer hinter Moriarty bzw. seiner Video-Präsenz steckt. Denn sie verlässt Sherlock eine DVD (ziemlich Old School) mit der Inschrift „Miss Me?“. In dem Video bittet sie Sherlock, John Watson zu retten. Womit sie wahrscheinlich meint, ihn aus seiner Verzweiflung nach ihrem eigenen Tod zu retten, aber genau wissen wir das noch nicht. Besonders dieser Teil der Folge gefiel mir nicht, weil es zu überzogen und dramatisch inszeniert wurde. Marys Tod hat mehr Drama verursacht als notwendig oder sinnvoll gewesen wäre.

Vielleicht soll diese Folge nur die Willkür von Leben und Tod aufzeigen. Oder aber es war die einfachste Lösung, alle weiteren Geschehnisse zu begründen, die nach ihrem Tod passieren.

Das hat mir gefallen

Es gab allerdings auch Teile dieser Episode, die mir gefielen. Ich mochte die Auflösung des AMMO-Plots, bei der die Sekretärin eine eiskalte Söldnerin für den Höchstbietenden war. Als Sherlock sie dann mit seiner punktgenauen Deduktion zerreißt, konnte man schon fast Mitleid mit ihr bekommen … bis sie auf ihn schießt und dabei Mary tötet.

Die Art und Weise, wie Moffat und Gattis den A.G.R.A / AMMO-Plot eröffnen, indem sie Sherlock beinahe zufällig zu den Thatchers führen, war elegant und geschickt gelöst. Diese Folge hinterlässt außerdem viele Fragen für die nächsten: wer ist die rothaarige Frau, die John im Bus traf und mit der er simst (ernsthaft, haben die immer noch kein WhatsApp?). Und was ist mit Redbeard und dem dritten Geschwisterteil der Holmes-Brüder, auf das kontinuierlich angespielt wird?

Alles in allem habe ich die traditionellen Sherlock-Deduktionen und das Fällelösen vermisst und ich hätte ohne das Thriller-Chaos in der zweiten Hälfte leben können. Und ich denke, dass es ein Fehler war, Mary zu töten, die eine tolle Ergänzung der Hauptcharaktere und gesamten Geschichte war.

Über Julia Jemals 13 Artikel
Hi, ich bin Julia und ich liebe Serien. Auf dieser Webseite teile ich meine Leidenschaft für großartige Serien und schreibe Reviews und Empfehlungen zu bestehenden und neuerscheinden Serien. Und da für mich bei einem perfekten Serienabend (oder Morgen oder Nachmittag) auch immer ein guter Snack dazu gehört, stelle ich hier meine Favoriten vor.

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