Black-ish
„Being Black in America“

Black-ish Review

Bevor ich über die erste Episode der neuen Staffel von Black-ish schreibe, findet ihr hier eine allgemeine Black-ish Review über die ersten drei Staffeln und das generelle Konzept der Fernsehserie.

Problemfeld: Diversität im Fernsehen

Die mangelnde Vielfalt oder Diversität im Fernsehen (und natürlich auch im Film) ist in den letzten Jahren zu einem zunehmend anerkannten Thema geworden. Ich sage „anerkannt“, weil es immer ein Problem war, es aber erst vor kurzem von einer breiten Palette von Interessengruppen in der Branche angegangen wird.

Vielfalt umfasst weit mehr als nur eine schwule oder schwarze Person im Fernsehen zu sehen (in den meisten Fällen gibt es auch entweder einen schwarzen oder einen schwulen Charakter, aber selten beides in einer Person. Was ist mit der Intersektionalität, Leute?). Es geht um die Vielfalt von Gedankenansätzen, Meinungen, kulturellen Perspektiven, Lebensweisen und Eigenschaften und der Widerspiegelung dieser sowohl hinter als auch vor der Kamera. Als Beispiel: Um eine vielfältige Darstellung von Frauen auf der kleinen und großen Leinwand zu sehen, muss es mehr weibliche Schriftstellerinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, sexuellen Orientierungen, Fähigkeiten und Meinungen geben, die unterschiedliche Charaktere zum Leben erwecken. Fernsehen sollte für jeden etwas bieten (vor allem in Zeiten von Peak TV!), nicht nur für Leute, die perfekt in eine weiße, heteronormative, androzentrische Gesellschaft hineinpassen. Natürlich soll es weiterhin noch TV-Sendungen geben, die von ihren mächtigen, weißen, starken Männern angetrieben werden, aber es sollte nicht der Maßstab aller Dinge sein und nicht ausschließlich zu sehen sein.

TV Serien wie ABCs Scandal, How To Get Away With Murder und Fresh Off The Boat, FX’s Atlanta, The CW’s Crazy Ex-Girlfriend und Jane The Virgin sowie Netflix’s Master of None illustrieren den komödiantischen und dramatischen Wert unterschiedlicher Ideen und Menschen.

Worum es bei Black-ish geht

Black-ish ist ein weiteres großartiges Beispiel für eine solche Show und sie ist so viel lustiger und bedeutungsvoller als viele andere Serien, bei denen wir immer mit den gleichen Charaktertypen konfrontiert werden. Die Show handelt vom Leben einer afroamerikanischen Familie in der Oberschicht, erzählt aus der Perspektive des Vaters, Andre ‚Dre‘ Johnson. Er und seine Frau, Rainbow ‚Bow‘ Johnson, leben mit ihren vier Kindern (und von Zeit zu Zeit mit Dres geschiedenen Eltern) in einem Vorort, der vornehmlich von weißen Familien bewohnt wird. Die Serie beschäftigt sich mit verschiedenen gesellschaftlichen Problematiken und Konzepten innerhalb des familiären Umfelds. Es wird vor allem diskutiert, was es bedeutet, eine afroamerikanische Person in Amerika zu sein, aber auch andere Themen wie Sexualität, Feminismus und Politik werden im komödiantischen Rahmen untersucht. Die Ernsthaftigkeit der Thematik bildet beim Großteil der Episoden auch nur den Rahmen für den Handlungsstrang, es ist aber nach wie vor hauptsächlich eine Komödie und die ernsteren Abschnitte werden durch die großartigen Witze, die Ironie und Karikatur der Charaktere und Ereignisse ausgeglichen.

Das ist das Besondere an der Serie

Man hat bei Black-ish nie das Gefühl, dass einem mit dem Zeigefinger die eine richtige Weltanschauung oder Position aufgezwungen wird. Die Serie gibt einem nie eine perfekte Lösung für das zugrunde liegende Problem. Sie zeigt vielmehr unterschiedliche Handlungs- und Denkansätze für die Reflektion und Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen bezüglich einer speziellen Thematik. Die Show wirft komplexe Fragen auf, über die man bisher vielleicht noch nie nachgedacht hat. Aber die Show ermöglicht es dem Zuschauer, mit der Meinungsbildung zu beginnen und ermutigt ihn eventuell sogar, sich auch nach Ende der Episode weitere Gedanken zu machen. Einige Themen mögen eine Erinnerung an die Probleme sein, mit denen manche von uns jeden Tag umgehen müssen. Und andere werden eine Gelegenheit bieten, weniger voreingenommen gegenüber Menschen mit uns weniger vertrauten Problemen zu sein.

Basierend auf dem oben aufgeführten Resümee könnte man nun den Eindruck bekommen, dass diese Show für eine Komödie viel zu ernst ist, aber das ist weit gefehlt! Das familiäre Setting, die überzogenen Charaktere und die gut geschriebenen Witze machen die Show zu einer absoluten Freude mit vielen laugh-out-loud Momenten. Der Pilot allein ist super witzig. Dazu kommt die großartige Besetzung der Charaktere. Laurence Fishburne spielt die Rolle von Dres Vater, Pops, und zeigt damit, dass sein Talent im Rahmen einer Komödie bestens aufgehoben ist. Anthony Anderson (Dre) wurde mehrfach für Emmys und dieses Jahr auch für einen Golden Globe für seine Performance in Black-ish nominiert. Und Jenifer Lewis spielt eine wunderbar fürchterliche Schwiegermutter (von Bow), die mit ihren regelmäßigen, dramatischen Rufen nach ihrer Rettung durch Black Jesus und ihr ständiges Kritisieren von Bow für einen Lacher nach dem anderen sorgt. Insgesamt passt einfach die Chemie zwischen allen Hauptcharakteren extrem gut.

Ein paar Episoden möchte ich hervorheben

[Die weiteren Abschnitte enthalten Spoiler…]

Please Don’t Ask, Please Don’t Tell (S1E22):  Dre’s Schwester, Rhonda, kommt mit ihrer Freundin zu Besuch und es ist ein offenes Geheimnis, dass Rhonda lesbisch ist. Sie hat sich niemals vor ihrer Familie geoutet, also wird auch nicht darüber gesprochen. Und ihre homophobe Mutter weiß es immer noch nicht. In dieser Folge geht es um Homosexualität, Akzeptanz und die (un)eingeschränkte Liebe und Unterstützung innerhalb von Familien.

Hope (S2E17):  Die Johnson Familie wartet auf das Gerichtsurteil über einen Polizisten, der einen unbewaffneten, schwarzen Mann getötet hat. Sie diskutieren Polizeibrutalität und die äußerst problematische Beziehung zwischen Polizei und Afroamerikanern. Bow und Dre/Pops sind sich nicht einig darüber, wie sie ihnen den Umgang von Polizisten mit Afroamerikanern am besten ihren Kindern erklären und wie sich ihre Kinder ab besten verhalten sollten. Grade die Familienperspektive macht diese Diskussion über Polizeibrutalität sehr interessant, zugänglich und bewegend.

LEMONS (S3E12):  Das Präsidentschaftswahlergebnis von 2016 wird hier im familiären und beruflichen Umfeld diskutiert. In der zweiten Hälfte der Folge hält Der einen Monolog, der Gänsehaut verursacht. Und wie so häufig wird hier nicht die eine, richtige Ansicht oder Position verteidigt, sondern vielmehr in die Zukunft und auf Gemeinsamkeiten schauend argumentiert.

Alles in allem ist Black-ish eine unglaublich lustige Familienkomödie, die gesellschaftliche Probleme in einem komödiantischen Umfeld diskutiert.

Über Julia Jemals 13 Artikel
Hi, ich bin Julia und ich liebe Serien. Auf dieser Webseite teile ich meine Leidenschaft für großartige Serien und schreibe Reviews und Empfehlungen zu bestehenden und neuerscheinden Serien. Und da für mich bei einem perfekten Serienabend (oder Morgen oder Nachmittag) auch immer ein guter Snack dazu gehört, stelle ich hier meine Favoriten vor.

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