BoJack Horseman
„Back in the 90’s, I was in a very famous TV show“

BoJack Horseman Review

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich endlich angefangen habe, BoJack Horseman zu schauen. Die Pilotfolge hab ich zweimal gesehen – zum ersten Mal vor etwa einem Jahr, das zweite Mal vor Kurzem.

Der Pilot packte mich nicht beim ersten Mal. Ich ging mit der falschen Einstellung an die Serie ran. In meinem Kopf hatte ich eine ganz bestimmte Idee von der Serie und die fand ich anspruchslos. Ich dachte, es handele sich um eine Show mit leichtem, aber flachem Humor und keiner dramatischen Substanz, wie bei Serien à la Family Guy, American Dad etc. Ich habe mich selten so sehr geirrt!

Falls ihr noch nicht das Vergnügen hattet, diese großartige Gesellschaftskritik in Serienform zu sehen, ist hier die Grundidee von Bojack Horseman: Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens verliert sich der ehemals berühmte TV-Star BoJack selbst, trifft eine fragwürdige Entscheidung nach der anderen und beeinflusst die Personen um ihn herum und deren Leben auf meist negative Art und Weise.

Worum geht es genau?

BoJack Horseman spielt in einem Universum, in dem Menschen und anthropomorphe Tiere zusammenleben. Wir lernen BoJack zwei Jahrzehnte, nachdem seine erfolgreiche Familiensitcom „Horsin‘ Around“ abgesetzt wurde, kennen. (Fiktionale Erstausstrahlung der Serie war 1987 und die Serie lief über neun Staffeln.) Er ist unhöflich, schlecht gelaunt, sarkastisch und offensichtlich unzufrieden mit seinem eigenen Leben. In der Pilotfolge treffen wir auf einige der Personen, mit denen er interagiert: seine Agentin Princess Carolyn, sein Erzfeind, Mr. Peanutbutter, seinen Mitbewohner/besten Freund Todd und seine Ghostwriterin Diane. Die ersten drei Staffeln zeigen sein selbstzerstörerisches Verhalten, die verzweifelten Versuche seiner Agentin, seine Karriere wiederzubeleben und den Einfluss, den er auf das Leben anderer Menschen hat.

Was macht die Serie so besonders?

Das Besondere an BoJack ist dieses universelle, bekannte und nachvollziehbare Thema der Lebenskrise, das in einem ungewöhnlichen Umfeld einer animierten Serie mit anthropomorphen Tieren diskutiert wird. Die Show wechselt zwischen Drama und Komödie auf eine Weise, die einen zunächst laut lachen, und im nächsten Moment tief reflektieren lässt. Wir bekommen sowohl großartigen flachen als auch anspruchsvollen Humor zu sehen. Und wir werden Zeugen der ernsten Seite von BoJack. Sein Leben und vor allem die Entscheidungen, die er trifft, sind traurig, falsch und deprimierend. Und dennoch beginnen wir, Empathie für ihn und die anderen Charaktere zu entwickeln, in der Hoffnung, dass ihre nächsten Entscheidungen besser sein werden und sie endlich glücklich werden. Denn jeder von uns war schon in BoJacks Situation. Wir alle hatten schon diese Quarter-Life/Mid-Life/Generelle Lebenkrise. Und jemand anderen zu sehen, wie er mit etwas ähnlichem umgeht, kann uns helfen, bestimmte Probleme aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Nicht, weil BoJacks Leben so viel schrecklicher ist. Sondern weil es das nicht ist. Seine Unsicherheiten, sein Mangel an Selbstwert, sein selbstzerstörerisches Verhalten, aber auch seine Hybris hindern ihn daran, glücklich zu sein. Und welche Millennials können sich damit nicht identifizieren?!

Abgesehen von der generellen Gesellschaftskritik geht es auch um eine stärker fokussierte Kritik am Showgeschäft. Das allein ist nicht sonderlich originell, allerdings kritisiert diese Serie besonders treffsicher. In der dritten Staffel fragt Sarah Lynn, eine der Kinderschauspielerinnen der Serie „Horsin‘ Around“:

“You know, it’s amazing that it’s legal for kids to be actors. How is that not child labor? I didn’t know what I was signing up for — I was three.”

Ein paar weitere Details mit Spoilern

[Der folgende Absatz beinhaltet Spoiler…]

BoJacks Unzufriedenheit sowie Sarah Lynns Tragödie sind auf die Arbeit im Showbusiness zurückzuführen und die Serie zeigt die Lächerlichkeit und dunkle Seite des Showgeschäfts auf amüsante, aber auch bedrückende Art und Weise. In der Flashbackepisode in Staffel 3 (Folge 2), weigert sich Prinzessin Carolyns alter Chef, Skripte an seine Schauspielerinnen weiterzugeben, die mehr als zwei Wörter im Titel haben. In Folge 8 von Staffel 2 („Let’s Find Out“) moderiert Mr. Peanutbutter eine Fernsehshow mit dem Titel „Hollywoo Stars: What Do They Know? Do They Know Things? Let’s Find Out!“ (Es gibt auch eine Episode, die erklärt, warum das „D“ in „Hollywoo“ fehlt.) Und als BoJack schließlich in einem Film über seinen Helden der Kindheit mitspielt, wird er schlussendlich komplett durch CGI ersetzt.

BoJack Horseman hat die Dramedy nicht erfunden. Aber die Fähigkeit der Serie, Gefühle von Freude, Trauer, Ehrfurcht, Wut oder Ekel zu kreieren und zu balancieren, macht sie einzigartig. Einschließlich der aufrechtlaufenden und sprechenden Tiere. In Folge 4 von Staffel 3 „Fish Out of Water“ besucht BoJack eine Unterwasserwelt. Diese Episode ist derart phantasievoll gestaltet und zeigt mit unvergleichlicher Kreativität BoJacks kontinuierlichen Kampf mit sich selbst. Die Klänge und Musik ersetzen die Notwendigkeit für jeglichen Dialog, zumindest aus der Perspektive des Zuschauers. BoJack jedoch sucht nach den richtigen Worten, kann sie aber nicht finden. Er muss ein kleines Seepferdchen retten, bevor er weiß, was er sagen sollte. Und als sich die Gelegenheit ergibt, ist er nicht in der Lage zu kommunizieren, was er meint. Es ist tragisch, aber schön und es kann einen buchstäblich zum Weinen bringen. Und für diese Episode allein lohnt es sich, BoJack Horseman zu schauen.

Und falls ihr immer noch nicht davon überzeugt sein solltet, dass BoJack das Richtige für euch ist, hört euch einfach das Lied an, das am Ende jeder Episode eingespielt wird. Denn das beschreibt ihn und seine Probleme wirklich am besten:

Back in the 90’s // I was in a very famous TV show //
I’m BoJack the horse // (BoJack) // BoJack the horse // Don’t act like you don’t know //
And I’m trying to hold on to my past // It’s been so long //
I don’t think I’m gonna last // I guess I’ll just try // And make you understand //
That I’m more horse than a man // Or I’m more man than a horse

Lied von Grouplove – Back in the 90’s (BoJack’s Theme)

Über Julia Jemals 13 Artikel
Hi, ich bin Julia und ich liebe Serien. Auf dieser Webseite teile ich meine Leidenschaft für großartige Serien und schreibe Reviews und Empfehlungen zu bestehenden und neuerscheinden Serien. Und da für mich bei einem perfekten Serienabend (oder Morgen oder Nachmittag) auch immer ein guter Snack dazu gehört, stelle ich hier meine Favoriten vor.

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