Riverdale
„Our Story is About a Town“

riverdale review

Die zweite Staffel Riverdale ist am Mittwoch in den USA auf The CW angelaufen und die erste Folge ist gestern auf Netflix in Deutschland erschienen. Falls ihr euch noch nicht sicher seid, ob es sich für euch lohnt, Riverdale zu schauen, kommt hier meine spoilerfreie Review der Serie.

Worum geht es bei Riverdale

Es geht um das mysteriöse Verschwinden eines High School Seniors, Jason Blossom, Captain des Football Teams und Sohn einer reichen, einflussreichen Familie in der Stadt Riverdale. Niemand weiß, was mit ihm passiert ist und ein paar Kids von seiner High School versuchen sein Verschwinden aufzuklären.

Die Serie basiert lose auf den Archie Comics* und den darin vorkommenden Charakteren, die in der Stadt Riverdale leben. Die ersten Comics dieser Reihe wurden schon in den Vierziger Jahren veröffentlich und immer wieder neuaufgelegt für die nächste Generation. Mittlerweile wurden die Charaktere in eine CW-Serie gepackt, allerdings in einem dunkleren Setting und einem düsteren Ton.

*Fun fact: die Hexe Sabrina von Sabrina – Total Verhext tauchte erstmals in den Archie Comics in den Sechziger Jahren auf

Wie wird die Story vermittelt

Es ist kein Wunder, dass Riverdale auf dem Sender The CW läuft, dessen Zielgruppe hautsächlich aus jüngeren Zuschauern besteht. Riverdale passt gut in eine Reihe mit Gossip Girl oder Vampire Diaries (habe ich nie gesehen, aber Cheryl Blossom könnte auch gut eine Vampirin sein), denn es dreht sich vor allem um Themen, die High School Kids interessieren: Liebe, Sex, Intrigen, Freundschaft, Probleme mit den Eltern, das Gefühl nicht verstanden zu werden und natürlich das mysteriöse Verschwinden des Football Captains.

Die Serie hat einen Erzähler (hallo Gossip Girl!), nämlich Jughead Jones, den Sohn eines betrunkenen Runaway Dads, der bei der lokalen Biker Gang Mitglied ist. Jughead ist ein desillusionierter Teenager, der in sehr ernster und mysteriöser Manier die Geschichte um Riverdale und seine Geheimnisse erzählt.

Die Stimmung der Serie ist düster mit einem Hauch von Farbe. Denn sie hat dieses glimmrige Achtziger-Feeling mit vielen blauen und roten Farbtönen. Tatsächlich spielt die Serie aber in der heutigen Zeit und durch das Zusammenspiel des Vintage-Gefühls mit Smartphones und Millennials wirkt die Serie eher zeitlos. Hinzu kommt die Zeitlosigkeit der Thematik, wie bereits weiter oben erläutert. Das Szenenbild sieht wirklich großartig aus und lässt einen in Nostalgie schwelgen.

Allerdings ist hier der Achtziger Flashback ein deutlich anderer als bei Serien wie Stranger Things beispielsweise. Denn bei Riverdale sind alle Figuren perfekt in Szene gesetzt. Wirklich alle Charaktere in dieser Serie sehen perfekt und makellos aus (selbst der betrunkene Runaway Dad!). Und die Kostüme und Maske unterstreichen die Intention der Serienmacher, die Figuren surreal wirken zu lassen. Darüber hinaus werden typische Serien-Charaktere in ihrer reinen Urform verkörpert: der Sportler/Football Captain, die Prom Queen, das Mädchen von nebenan, die mysteriöse Neue, der Nerd, der perfekte Schwiegersohn. Die Figuren wirken daher wie eine Karrikatur ihrer selbst.

Zu dieser „unnatürlichen“ Perfektion kommen die Dramatik der Geschichte und ihre Erzählweise. Die Handlung, die Dialoge, die Interaktionen, die Situationen, in denen sich die Charaktere befinden sind fast immer überzogen dramatisch. Kein Satz der Figuren scheint einfach so dahin gesagt, sondern immer sehr bedeutungsvoll und mit großem, emotionalem Einsatz. Die Geschichte ist stets umrahmt von „High School“ Drama und wirkt sehr Soap Opera-esque. Teilweise passieren Dinge, die wirklich ziemliche Face-palm-Momente sind, wenn man sie ernst nimmt. 

Wie viel Spaß macht die Serie

Tatsächlich nimmt sich die Serie durch diese übertrieben perfekt wirkende und dramatische Inszenierung ihre eigene Ernsthaftigkeit und wird eher zu einem Kommentar auf der Meta-Ebene. Manchmal ist man sich nicht ganz sicher, ob die Serie grade extrem selbstkritisch ist oder sie sich tatsächlich grade in ihrer Kritik an sich selbst und anderen Teen Dramas zu ernst nimmt. Die Serie ist sich sehr über die auf sie wirkenden popkulturellen Einflüsse bewusst und teilweise sprechen die Charaktere übereinander als andere Charaktere von ihr vorangegangen Serien und Filme. Es gibt Anspielungen auf und Einflüsse von Mad Men, Mean Girls, True Detective, Dawson’s CreekVeronica Mars, Twin Peaks und vielen weiteren. Das Diner „Pops“ könnte auch aus Pulp Fiction stammen.

Selbst die Besetzung einiger Charaktere sind (eher unbeabsichtigt) popkulturelle oder selbstkritische Anspielungen. Jughead Jones, der verlorene, alleingelassene und desillusionierte Einzelkämpfer wird von Cole Sprouse gespielt, dessen bekannteste Rolle Cody von The Suite Life of Zack and Cody ist. Und ich brauche wahrscheinlich nicht zu erwähnen, dass er in dieser Rolle das komplette Gegenteil spielt. Oder etwa Mädchen Amick, die intrigante, verbitterte und kontrollierende Mutter von Betty, die in der Serie Twin Tweaks mitgespielt hat, die einer der wesentlichen Einflüsse auf Riverdale darstellt.

Die Meta-Ebene, die popkulturellen Einflüsse, die Anspielungen und die visuelle Inszenierung machen die Serie zu einer Besonderheit selbst in Zeiten von Peak TV. Die übertriebene Dramatisierung macht sie zu einer Guilty Pleasure. Tatsächlich funktioniert diese Kombination sehr gut, sowohl für mich persönlich als auch für die Masse. Auf IMDb hat Riverdale eine 7.8, bei Rotten Tomatoes 87% (Kritikerscore) und 83% (Zuschauerscore). Teilweise scheiden sich die Kritikergeister, ob es zu viel oder zu wenig Meta-Ebene gibt und ob sich Riverdale zu ernst oder zu wenig ernst nimmt.

Zeitweise werden wirklich sehr viele Klischees in kürzester Zeit bedient und das High School Drama kann etwas zu viel werden. Das wirkt irgendwann ein bisschen anstrengend, auch wenn es von den Serienautoren beabsichtigt ist. Allerdings bietet die Serie auch für Zuschauer außerhalb des Teenager-Alters einen Reiz. Denn sie hat ein sehr unbedrohliches und beruhigendes Setting für Personen, die mit dem High School Drama im echten Leben schon abgeschlossen haben. Man kann die Themen und Problematiken ein bisschen belächeln und sich in ein sicheres Umfeld zurückziehen, das wenig Denkkraft oder emotionale Kraft von einem abverlangt, was bei vielen anderen, sehr ernsten und düsteren Dramen der Fall ist. Das Rätsel um das Verschwinden des Football Captains lässt einen bis zum Ende schauen wollen. Und dann passiert auch schon der nächste mysteriöse Fall am Ende der Staffel 1.

Alles in allem kann man die Serie und ihr Drama sehr gut ironisch (und heimlich doch irgendwie ernsthaft) verfolgen und gut finden (am besten mit einem halben Liter Ben & Jerry’s Eis, beispielsweise). Und das wiederum Ironische daran ist, dass die Serienautoren es genau darauf anlegen. Die popkulturelle Perspektive und Meta-Ebene der Serie sind extrem unterhaltsam. Man darf nur nicht versuchen, die Serie ernster zu nehmen als sie sich selbst. Für mich ist und bleibt sie eine Guilty Pleasure, die Spaß macht.

 

Über Julia Jemals 13 Artikel
Hi, ich bin Julia und ich liebe Serien. Auf dieser Webseite teile ich meine Leidenschaft für großartige Serien und schreibe Reviews und Empfehlungen zu bestehenden und neuerscheinden Serien. Und da für mich bei einem perfekten Serienabend (oder Morgen oder Nachmittag) auch immer ein guter Snack dazu gehört, stelle ich hier meine Favoriten vor.

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